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Joachim Löw: Letztes Spiel oder Europameister?

Deutschland steht vor dem letzten Gruppenspiel bei der Europameisterschaft. In der Todesgruppe F ist von Platz 1 bis 4 noch alles möglich. Somit könnte das Spiel am Mittwoch das letzte Spiel für Joachim Löw als Nationaltrainer sein. In den letzten Wochen wurde in Deutschland vermutlich über keinen Trainer so viel diskutiert wie über ihn. Bereits vor dem Turnier haben viele den vorzeitigen Rücktritt von Löw gefordert.

Seit dem Sieg gegen Portugal schallt der Trend zu seiner Person wieder in die andere Richtung. Wir schauen uns den Weg vom Joachim Löw genauer an, zeigen wo er niemals Kompromisse eingehen wird und welche Änderungen im Turnierverlauf möglich sein könnten.

Marco Iacobucci Epp / Shutterstock.com

Nils Petersen lässt grüßen

Als Spieler hat es für Löw nicht bis zur A-Nationalmannschaft gereicht. Er pendelte jahrelang zwischen der 1. und 2. Bundesliga, bis er zum Ende seiner Spielerkarriere drei Jahre in der Schweiz verbrachte. Dort lernte er Rolf Fringer kennen. Dieser war beim FC Schaffhausen sein Trainer und eine wesentliche Person fürs Löws spätere Trainerkarriere. Außer beim SC Freiburg hat Löw in Deutschland nirgendwo mehr als eine Spielzeit verbracht. Dementsprechend hatte er nur kurze Ausflüge zum VFB Stuttgart, Eintracht Frankfurt und zum Karlsruher SC. Beim SC Freiburg hingegen hat Löw acht Jahre seiner Spielerkarriere verbracht. Diese Jahre waren stets von persönlichem Erfolg gekrönt. In 252 Einsätzen erzielte er 81 Tore in der 2. Bundesliga und 2 Tore in 11 DFB-Pokalspielen. Bis 2020 war er Freiburgs Rekordtorschütze. Dann wurde er von Nils Petersen überholt.


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Auf kurzen Dienstweg zum ersten Titel

Löws Trainerkarriere begann Anfang der neunziger Jahre in der Schweiz. Unter Rolf Fringer lernte er bereits als Spieler die Raumdeckung kennen und ließ sich davon begeistern. In Deutschland wurde zu dieser Zeit noch mit Manndeckung agiert. 1995 wechselte Fringer zum VFB Stuttgart und nahm Löw als Co-Trainer mit. Mit Löw wollte Fringer auch in Deutschland die Raumdeckung etablieren, doch bereits nach einem Jahr war Schluss. Fringer wurde Trainer der Schweizer Nationalmannschaft und Löw wurde zum Cheftrainer des VFB Stuttgart ernannt.

Die Spieler des VFB Stuttgart wollten zu dieser Zeit nicht mit Raumdeckung agieren und weiter mit Libero und Manndeckung spielen. Joachim Löw war kompromissbereit und stellte die Mannschaft um. Hinten mit Libero und vorne mit dem „magischen Dreieck“ – bestehend aus Elber, Bobic und Balakov – holte Löw 1996/97 den DFB-Pokal. Trotz dieser Ergebnisse endete die Arbeit von Löw beim VFB Stuttgart im Jahr 1998. Außer einem kurzen Intermezzo beim Karlsruhe SC hat Löw fortan ausschließlich in der Türkei und in Österreich trainiert. Bis auf den österreichischen Meistertitel 2002 kamen keine großen Erfolge hinzu.

Einen Co-Trainer zum Mitnehmen, bitte!

Tatsächlich ist Löw im Jahr 2004 nur durch einen Zufall Co-Trainer der Nationalmannschaft geworden. Bei einem Mittagessen in Stuttgart traf Löw auf Oliver Bierhoff. Dieser hatte zuvor das Angebot als Manager der Nationalmannschaft erhalten. Einen Posten den es bis dato gar nicht gab. Erst Jürgen Klinsmann hatte diesen Posten erschaffen, denn er wollte den DFB rundum erneuern.

Löw hat sich das Gespräch angehört aber fühlte sich nicht wirklich eingebunden. Nach dem Gespräch rief Bierhoff Klinsmann an und schlug Löw als Co-Trainer vor. Klinsmann und Löw trafen sich und so entstand das Trainerteam des Sommermärchens von 2006. Löw hat in diesem Trainerteam vor allem die taktischen Aufgaben übernommen. Klinsmann hingegen galt eher als Motivator. Nach der WM 2006 nahm sich Klinsmann eine Auszeit und Löw wurde zum Nachfolger ernannt. Besonders spannend ist in dieser Hinsicht die Entwicklung von Löws Spielidee seit Amtsantritt. Mit diesem Thema werden wir uns im weiteren Verlauf beschäftigen.

Erst wie England und dann wie Spanien

Wenn Joachim Löw eine Spielidee hat, dann verfolgt er sie kompromisslos und trotzdem geht seine Spielidee immer auch auf Kompromisse ein. Das hört sich jetzt im ersten Moment etwas kompliziert an, ist es aber gar nicht. Vor der EM 2008 redete Löw immer wieder vom englischen Fußball. Er erzählte, dass die Engländer schneller umschalten und schneller vertikal spielen, aber zu Beginn der EM war Deutschland weiterhin in einem 4-4-2 Mittelfeldpressing auf ein kompaktes Spiel fokussiert. Er stellte das System auf 4-2-3-1 um und zog bis ins Finale ein. Bei der WM 2010 spielte Deutschland dann ein starkes Umschaltspiel und konterte im Achtelfinale ausgerechnet die Engländer aus.

Dieses System änderte Löw erst nach der Niederlage im Halbfinale gegen die auf Ballbesitz spielenden Spanier. Diese spielten einen Barcelona ähnlichen Stil und ließen Deutschland keine Chance.  Umgehend veränderte auch Löw seine Sichtweise. Die deutsche Mannschaft zählte nun zu den Top-Nationen und musste selbst das Spiel gestalten können. Außerdem spielte die Hälfte der Mannschaft einen auf Ballbesitz ausgelegten Fußball beim FC Bayern. Auch das konnte nicht von Löw ignoriert werden. Bei der Weltmeisterschaft 2014 zahlten sich die zahlreichen Anpassungen dann aus.

Weiter wie Chelsea oder zurück zur Viererkette?

Nach dem Umbruch der Nationalmannschaft hat Löw erneut einen Systemwechsel vollzogen. Die ersten beiden Partien wurden in einer chelseaähnlichen Formation bestritten und zeigten Stärken wie auch Schwächen auf (Mehr dazu in unserer Analyse!). Die Schwächen zeigten sich besonders in der Dreier- bzw. Fünferkette. Es wird spannend zu sehen, ob die Mannschaft die Defensiven Probleme in den Griff bekommt oder ob Löw einen erneuten Systemwechsel vollziehen muss, um ein erfolgreiches System zu bestreiten. Nach dem verpatzten Auftakt hielt er – entgegen vieler Meinungen – kompromisslos an seiner Startelf fest. Wir werden sehen, wie lange das gutgeht.

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