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Kinderfußball: 3 Übungen, um Kinder Schritt für Schritt besser auszubilden

Wie bildet man Kinder und Jugendliche über viele Jahre hinweg gut aus, auch ohne Trainerlizenz? Diese Frage beschäftigt Uli Schröder seit Jahrzehnten. In seinem „Ausbildungsplan Juniorenfußball“ hat er seine Antwort aufgeschrieben.

Schröder kennt den Fußball aus vielen Perspektiven. Als Spieler wurde er Deutscher B-Jugend-Meister, spielte in den Junioren-Nationalmannschaften und war von 1979 bis 1981 Profi beim FC Schalke 04. Heute ist er DFB-Fußball-Lehrer und Diplomsportlehrer. Er war unter anderem DFB-Stützpunkttrainer, Athletiktrainer der DFB-U20 und Koordinationstrainer der Schalker Junioren, und er ist seit vielen Jahren als Referent in der Trainerausbildung tätig.

Sein Werk besteht aus einem Theorieband, in dem er seinen Ansatz von den F- bis zu den A-Junioren erklärt, und einem Praxisband für das Grundlagenalter, also die F- und E-Junioren.

„Uli Schröder, den ich während unserer gemeinsamen Profizeit beim FC Schalke 04 kennengelernt habe, liefert mit seinem Ausbildungsplan Juniorenfußball allen Juniorentrainern sehr praxisorientierte Hilfestellungen, die sie sofort in ihrem Training umsetzen können.“ – Klaus Fischer


Ausbildungsplan Juniorenfußball – Teil 1 – Theorie

Bewertung 5 Sterne

Mit einem zeitgemäßen Coaching von Anfang an gut ausbilden und erfolgreich spielen! Der erste Teil der neuen Buchreihe von Uli Schröder!


Vom Straßenfußball zum Vereinstraining

Ausgangspunkt für Schröder ist eine Beobachtung: Früher lernten viele Kinder Fußball auf der Straße, jeden Tag, in kleinen Gruppen und auf engstem Raum. Nebenbei kletterten, rannten und sprangen sie und bekamen so ganz von selbst ein breites Bewegungsfundament. Dieser Straßenfußball fehlt heute weitgehend.

Nach Schröders Erfahrung kommen viele Kinder deshalb mit deutlich weniger Bewegungserfahrung in den Verein. Die Trainer müssen ihnen das Fußballspielen also erst beibringen, oft sind das engagierte Eltern ohne Lizenz. Für sie hat Schröder seinen Ausbildungsplan in erster Linie geschrieben. Sein Leitgedanke dabei: Fußball spielend lernen. Isolierte Übungen und komplexe Spielformen sollen sich deshalb von Anfang an ständig abwechseln.

Ein Plan für zwölf Jahre Ausbildung

Schröders Plan begleitet Spieler über zwölf Jahre in drei Phasen. Jede Phase hat eigene Inhalte, denn, so Schröder: „das Training von Erwachsenen ist nicht ‚Eins zu Eins‘ auf das Jugendtraining und erst recht nicht ‚Eins zu Eins‘ auf das Kindertraining übertragbar!“

Die drei Ausbildungsphasen im Juniorenfußball (Grafik aus „Ausbildungsplan Juniorenfußball“, Band 1)

  • Grundlagentraining (F- und E-Junioren, U8 bis U11): Basistechniken, allgemeine Koordination und Wahrnehmungsschulung. Für Schröder ist das der wichtigste Abschnitt, weil hier die Grundlagen für die gesamte Laufbahn gelegt werden.
  • Aufbautraining (D- und C-Junioren, U12 bis U15): Die Techniken werden automatisiert, dazu kommen Individualtaktik im 1 gegen 1, Kleingruppenspiele und Bewegungsabläufe wie Hinterlaufen oder Kreuzen.
  • Leistungstraining (B- und A-Junioren, U16 bis U19): Positionsspiel, Großgruppen- und Mannschaftstaktik sowie ein druckvolles Passspiel.

Welche Schwerpunkte er in Taktik, Technik und Athletik für jede Phase setzt, fasst Schröder in einer Übersicht zusammen:

Die altersgemäßen Trainingsschwerpunkte von den F- bis zu den A-Junioren (Grafik aus „Ausbildungsplan Juniorenfußball“, Band 1)

Das Ziel: Handlungsschnelligkeit

Als übergeordnetes Ziel nennt Schröder die Handlungsschnelligkeit, also die Fähigkeit, im Spiel schnell wahrzunehmen, zu entscheiden und technisch sauber umzusetzen. Sie setzt sich aus seiner Sicht aus Technik, Taktik, Athletik und Mentalität zusammen und ist in jeder Spielklasse die Größe, die über die Leistung entscheidet. Entwickeln lässt sie sich nur in einem langen, gut aufgebauten Prozess von den F- bis zu den A-Junioren.

Das Ergebnis am Wochenende stellt Schröder deshalb bewusst hinten an. Wer gut ausbildet, wird nach seiner Überzeugung mit Geduld auch Erfolg haben, oder wie er es formuliert: „Wenn man gut ausbildet, dann lässt sich Erfolg nicht vermeiden…“

Das Basisbausteine-Prinzip

Das Herzstück seines Plans sind die Basisbausteine. Für jede der drei Phasen sieht Schröder zehn davon vor, insgesamt also 30. Für das Grundlagentraining sind das:

  1. Dribbeln mit dem Ball
  2. Fintieren mit dem Ball
  3. Passen des Balles
  4. Ball-An- und -Mitnahme
  5. Den Ball flanken
  6. Den Ball schießen
  7. Drei gegen Eins („Schutzmannspiel“)
  8. Vier gegen Zwei („Auf Gasse laufen“)
  9. Grundlagen des Offensivspiels
  10. Grundlagen des Defensivspiels

Jeder Baustein wird etwa sieben Wochen lang trainiert, und zwar immer zwei Bausteine parallel, damit es für die Kinder abwechslungsreich bleibt. Schröder begründet den Zeitraum damit, dass sich das Gelernte erst nach rund sechs bis acht Wochen nachhaltig festigt. Über die Saison ergibt das fünf Ausbildungsblöcke mit zusätzlichen Pufferwochen für Wiederholungen.

Zu jedem Baustein gehören eine isolierte Basis-Übung und eine passende Spielform, in der das Gelernte unter Gegnerdruck angewendet wird. Schröder vergleicht das mit dem Sprachenlernen: Die Übungen sind die „Vokabeln“, das Spielen ist der „Text“. Die Übungen selbst seien austauschbar, die Prinzipien dahinter nicht. Der Trainer soll aus den Beispielen im Buch also eigene Übungen entwickeln.

PAKTA: neue Techniken in fünf Schritten

Wie eine neue Technik vermittelt wird, beschreibt Schröder mit einer einfachen methodischen Reihe, die er PAKTA nennt:

  • Präsentieren: Der Trainer zeigt die neue Technik und erklärt sie dabei.
  • Ausprobieren: Die Kinder probieren sie zunächst auf ihre eigene Art aus.
  • Kritisieren: Gelungenes wird gelobt, Fehler werden erst korrigiert, wenn sie sich wiederholen.
  • Trainieren: Die Technik wird abwechslungsreich geübt und gefestigt.
  • Anwenden: Schließlich wird sie im Spiel unter Wettkampfbedingungen eingesetzt.

Beim Präsentieren sollen möglichst alle Sinne angesprochen werden: Kinder, die über die Augen lernen, sehen das Vormachen, andere hören die Erklärung, wieder andere lernen am besten, indem sie es sofort selbst ausprobieren.

Positiv coachen und das Spiel laufen lassen

Mindestens genauso wichtig wie die Inhalte ist für Schröder das Coaching. Korrekturen sollen nach seiner Empfehlung immer positiv formuliert sein: Der Trainer sagt, was das Kind tun soll, etwa „Spiel nach vorne!“ oder „Schieße in die rechte Ecke!“, statt zu sagen, was es lassen soll. Bei Übungsformen macht der Trainer vor und lässt nachmachen, in Spielformen darf er das Spiel so oft wie möglich einfach laufen lassen. Denn, so Schröder: „Kinder sind keine kleinen Erwachsenen!“

Im Folgenden zeigen wir drei Übungen aus dem „Ausbildungsplan Juniorenfußball“, an denen sich Schröders Prinzip gut erkennen lässt: die Basis-Übung und die passende Spielform zum ersten Basisbaustein, dem Dribbeln, sowie die Spielform zum Basisbaustein „Vier gegen Zwei“.

Übung 1 – Basisbaustein 01: Dribbeln mit dem Ball – Basis-Übung

Übung 1 – Basisbaustein 01: Dribbeln mit dem Ball – Basis-Übung

ORGANISATION & ABLAUF

  • Jeder Spieler hat einen Ball
  • Die Spieler bewegen sich im mit Hütchen abgegrenzten Feld (zum Beispiel: 16m-Raum)
  • Im Feld liegen wahllos verteilt 10 kleine Markierungshütchen als Hindernisse
  • Der Trainer steht im Feld und beobachtet aufmerksam die Bewegungsausführungen
  • Jedes Kind führt seinen Ball mit der Innenseite / Außenseite seines ‚bevorzugten‘ Fußes um die Hütchen-Hindernisse herum
  • Auf ein Zeichen (akustisch / optisch) des Trainers versucht jedes Kind, in einer bestimmten Zeit so viele Hütchen wie möglich zu umspielen, ohne jedoch dabei die Ballkontrolle zu verlieren; deswegen sollte der Trainer zu Beginn auch ein großes Feld wählen (16er)

COACHING PUNKTE

  • Der Trainer sollte die Grob-Form der Technik den Kindern vor der Übung demonstrieren
  • Der Trainer sollte den Kindern zu Beginn Zeit für ihre Lernerfahrungen lassen, das heißt jedes Kind übt in seinem Tempo und auf ‚seine Art und Weise‘ (‚Differentielles Lernen‘)
  • Der Trainer korrigiert nur bei wiederholt schlechter Technik ein Kind; er sollte vor allem aber auch die Kinder loben, die schon eine gute Technik zeigen
  • Die Kinder sollen möglichst mit jedem zweiten Schritt einen Ballkontakt haben
  • Die Kinder sollen zwischendurch immer wieder mal nach vorne oben schauen
  • Das Tempo der Ballführung (= Aktionsschnelligkeit mit Ball) sollte immer dem technischen Vermögen der Kinder angepasst werden (‚Erst die Technik, dann die Schnelligkeit‘!)

ZIEL

  • Erlernen und / oder Verbessern des Dribblings

VARIATIONEN

  • Die Kinder dribbeln bevorzugt mit dem ihrem ‚schwachen‘ Fuß / … üben im kleineren Feld
  • Die Kinder dribbeln zu zweit / zu dritt etc. hintereinander um die Hütchen- Hindernisse herum, wobei nach einer gewissen Zeit der ‚Führungsspieler‘ gewechselt wird
  • Die Kinder stoppen nach einem Zuruf des Trainers mit der Sohle ihren Ball und suchen sich sofort einen neuen Ball von einem beliebigen Mitspieler, um dann weiter zu dribbeln
  • Die Kinder dürfen sich gegenseitig den Ball ‚wegspitzeln‘, aber nur, wenn sie ihren eigenen Ball dabei unter Kontrolle behalten, also dabei weiterhin eng am Fuß führen können
  • Auf Zuruf des Trainers setzt sich jedes Kind kurz auf seinen Ball und dribbelt dann weiter

Übung 2 – Basisbaustein 01: Dribbeln mit dem Ball – Spielform „Über zwei Tor-Linien dribbeln“

Übung 2 – Basisbaustein 01: Dribbeln mit dem Ball – Spielform „Über zwei Tor-Linien dribbeln“

ORGANISATION & ABLAUF

  • 2 Mannschaften und 1 neutraler Spieler (gelb) spielen im doppelter 16er auf 2 Linien-Tore 6 + 1 gegen 6 (+ 1)‘
  • Mannschaft Rot verteidigt das rote, Mannschaft Blau das blaue Linien-Tor, der ‚Neutrale‘ spielt immer mit der angreifenden Mannschaft und bildet so eine einfache Überzahl, das heißt bei Ballverlust spielt er also sofort für die andere Mannschaft
  • Es wird ohne Torwart gespielt / der ‚Neutrale‘ sollte regelmäßig gewechselt werden
  • Die Spieler versuchen im sicheren Pass-Spiel sowie mit situativ (!) sinnvollen Dribblings den Ballbesitz in Überzahl zu behaupten und mit einem ‚finalen‘ Dribbling ein Tor zu erzielen, indem der ballführende Spieler über die Tor-Linie des Gegners dribbelt und schließlich den Ball kurz hinter der Tor-Linie stoppt bzw. ‚ablegt‘
  • Das Tor zählt nicht, wenn der Ball erst ‚deutlich‘ weiter als 1m hinter der Tor-Linie gestoppt wird (der Trainer entscheidet im Zweifel als Schiedsrichter)

COACHING PUNKTE

  • Der Trainer sollte das Spiel erst mal nur ‚laufen lassen‘, auch wenn mal eines der Kinder das Dribbeln übertreibt
  • Nur wenn ein Kind wiederholt das Dribbeln übertreibt und dadurch ‚unnötig‘ den Ball verliert, sollte der Trainer das entsprechende Kind kurz ‚aus dem Spiel nehmen‘ – die anderen spielen derweil weiter – und ihm kurz erklären, dass es klüger ist, den Ball bei einerÜberzahl rechtzeitig abzuspielen, damit die Mannschaft möglichst lange in Ballbesitz bleibt
  • Der Trainer sollte trotzdem immer wieder die Kinder zum Dribbling ermutigen, aber auch darauf achten, dass das Kind, welches den Ball beim Dribbling verliert, sofort ‚umschaltet‘ und ‚nachsetzt‘, um möglichst den zuvor verlorengegangenen Ball wieder zurückzuerobern
  • Der Spieler soll beim Dribbeln möglichst oft den Kopf anheben, um die Mitspieler zu sehen

ZIEL

  • Komplexes Anwenden in Spielform des zuvor nur in Übungsform erlernten Dribbelns

VARIATIONEN

  • Ein Tor nach einem Dribbling mit dem ‚schwachen‘ Fuß des Spielers zählt doppelt
  • Wenn das dribbelnde Kind zuvor zwei Gegner ‚ausdribbelt‘, dann zählt das Tor doppelt

Übung 3 – Basisbaustein 08: Vier gegen Zwei – Spielform „Immer wieder durch die Gasse spielen“

Übung 3 – Basisbaustein 08: Vier gegen Zwei – Spielform „Immer wieder durch die Gasse spielen“

ORGANISATION & ABLAUF

  • Es wird in einem ca. 30m x 40m großen Feld gespielt, an deren Ende sich jeweils eine durch zwei gelbe Hütchen markierte neutrale Zone (10m tief x 30m breit) befindet, in der kein Spieler stehen darf
  • 2 ‚Mannschaften‘ (= rot / blau) spielen im Kleinfeld ‚7 gegen 7‘ auf 2 Linien-Tore
  • Die Spieler versuchen im sicheren und möglichst schnellen Pass-Spiel den Ballbesitz zu behaupten und sich dabei immer wieder auch auf Gasse freizulaufen (= 1 Punkt)
  • Schließlich versucht der ballführende Spieler mit einem in die Tiefe gespielten ‚finalen‘ Pass den in die neutrale Zone startenden Mitspieler anzuspielen (Skizze). Dieser soll den Pass in seine Laufrichtung an- und mitnehmen und dann schnellstmöglich über die Tor-Linie dribbeln, um den Ball hinter der Linie zu stoppen bzw. abzulegen (= 3 Punkte); die Verteidiger dürfen dem in die Gasse startenden Angreifer dabei in die neutrale Zone folgen, und sollen durch dieses Nachsetzen den Zeitdruck für den ballführenden Angreifer erhöhen
  • Die Mannschaft, die zuerst 15 Punkte hat, ist Sieger des Durchganges (3 Durchgänge)

COACHING PUNKTE

  • Die Angreifer sollen durch ein kluges Gassen-Spiel viele Torchancen kreieren
  • Die Angreifer sollen den Ball so oft wie möglich (diagonal) nach vorne in den Lauf passen
  • Die verteidigende Mannschaft soll ‚hoch‘ verteidigen und sich nicht nur hinten reinstellen, um auf einer Linie nur die neutrale Zone ‚sehr tief‘ zu verteidigen; so kann sie bei einer Balleroberung im Konter auch schnell und raumgewinnend in die neutrale Zone spielen

ZIEL

  • Komplexes Anwenden in Spielform des zuvor nur isoliert geübten auf Gasse laufen

VARIATIONEN

  • Für einen Pass mit dem ‚schwachen‘ Fuß durch eine Gasse erhält man 2 Punkte
  • Für ein Tor nach einem ‚finalen‘ Pass mit dem ‚schwachen‘ Fuß erhält man 3 Punkte
  • Der ballführende Spieler hat maximal 3 Ballkontakte, dann muss er spätestens abspielen
  • Für einen Rückpass durch eine Gasse gibt es keinen Punkt, nur für den nach vorne gespielten Pass durch eine Gasse, der eine Abwehrlinie ausspielt (‚Packing‘-Pass)

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