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3 Übungen, um den Raum im Rücken des Ballführenden zu nutzen

„Das musst du doch sehen!“ – kaum ein Satz fällt am Spielfeldrand so oft. Gemeint ist meist ein freier Mitspieler, eine Lücke in der Abwehr oder ein Raum, den der Ballführende hätte nutzen können. Doch was für den Trainer von außen offensichtlich ist, passt häufig nicht zur Wahrnehmung des Spielers auf dem Platz. Der Blick geht nach vorne und zum Ball, der Raum hinter und neben ihm bleibt ungenutzt.

Wie sich Raumorientierung und Spielmöglichkeiten im Angriffsspiel gezielt trainieren lassen, zeigt Hans-Dieter te Poel im Buch „Das musst du doch sehen!“. Der DFB-Fußballlehrer (UEFA Pro-Licence) und Lehrbeauftragte für Fußball an der Deutschen Sporthochschule Köln verbindet darin Trainingswissenschaft mit konkreten Übungs- und Spielformen.


Das musst du doch sehen!

Bewertung 5 Sterne

In seinem neuen Buch „Das musst du doch sehen!“ erklärt Hans-Dieter te Poel detailliert, wie man erfolgreich Raumorientierung und Spielmöglichkeiten im Angriffsspiel entwickelt.


Der Raum im Rücken des Ballführenden

Im modernen Fußball steht jeder Spieler durch die unterschiedlichsten Pressingstrategien ständig unter Zeit- und Gegnerdruck. Für den Ballbesitzer entscheidet deshalb oft nicht nur der Raum vor ihm über die Spielfortsetzung, sondern auch der Raum in seinem Rücken: Wie weit sind die nachrückenden Mitspieler entfernt, und wie schnell kommen sie nach?

Genau das bereitet jungen Spielern laut te Poel große Probleme. Vororientierung und Schulterblick helfen zwar, die Fixierung auf den Ball aufzulösen, reichen für das Training der Gruppentaktik aber meist nicht aus. Hinzu kommt ein zu enges Aufmerksamkeitsfenster: Wer zwei weit voneinander entfernte Reize nicht gleichzeitig wahrnimmt, übersieht zum Beispiel den freien Mitspieler im Rückraum und spielt den Winkel-Pass gar nicht erst.

Ein Signal statt vieler Anweisungen

Te Poel setzt deshalb auf klar formulierte Trainingsziele und kurze Coaching-Codes. Für das erste Beispiel im Buch lautet das Signal: „Platz schaffen für den aktiven Buddyguard!“ Der Ballführende soll nicht nur dribbeln, sondern verstehen, warum er es tut: um Raum für den nachrückenden Mitspieler zu schaffen, der im Rückraum frei zum Abschluss kommt.

Im Folgenden zeigen wir drei Übungen aus dem Buch „Das musst du doch sehen!“: eine Spielform, in der das Prinzip im 8-gegen-8 erlebbar wird, und zwei Übungsformen, die Tempodribbling, Rückraumpass und präzise Winkel-Pässe gezielt schulen. Die Übungs- und Spielformen empfiehlt der Autor für Nachwuchsleistungsspieler ab der U15.

Übung 1 – „Platz schaffen für den aktiven Buddyguard!“

Übung 1 – Platz schaffen für den aktiven Buddyguard

ORGANISATION & ABLAUF

  • 8-gegen-8 auf zwei Großtore mit Torwart in einem Drei-Viertel-Spielfeld.
  • Mögliche Feldbesetzung: 1-3-3-2-Grundordnung.
  • Man markiert fünf Zonen und zwei Flügelräume.
  • Wie in der Abbildung erkennbar, soll zunächst jeweils immer nur ein Spieler des Teams in Ballbesitz in den Flügelräumen agieren (hier zwei Spieler aus der zweiten Reihe (Zone in Hellgrün)).
  • Die Spieler im Flügelraum können von den Spielern in Rot-Weiß (aus deren letzte Reihe) in diesen angegriffen werden. Dadurch ergibt sich „Platz für den aktiven Buddyguard!“.
  • Ein Tor kann nur dadurch erzielt werden, indem ein Spieler außerhalb der Zonen „vertikal durchdribbelt“ und danach den Pass in den Rückraum zum „Buddyguard“ spielt.
  • Wenn ein „Buddyguard“ den Ball direkt ins Tor schießt, erhält er drei Punkte. Muss der Stürmer den Ball an- und mitnehmen und noch den Torwart oder einen anderen Gegenspieler ausspielen, erhält er zwei Punkte (Belohnung des schnellen und raumorientierten Nachrückens bei direktem Torerfolg).
  • Der Trainer/Die Trainer sucht/suchen sich eine Position am Spielfeldrand, von der aus sie die Aktionen in der Offensive präzise beobachten können.

BACKGROUND ZUM COACHING UND ZU WEITEREN VARIATIONEN

Der Spieler im Ballbesitz wagt am Flügel den Durchbruch und stellt auf seiner Spielfeldseite in Tornähe durch ein erfolgreiches Dribbling mit Finte eine 2 vs. 1 Situation her. In diesem Moment befindet sich der Spieler in Blau-Weiß hinter der Balllinie und wird durch einen Rückraumball, als Winkel-Pass gespielt, in Szene gesetzt. Der Torabschluss ist für diesen Spieler mit Laufrichtung zum Tor durch einen präzisen Torschuss-Pass möglich. Das „Platz schaffen für den aktiven Buddyguard!“ kann hierdurch praktisch umgesetzt werden. Dieses Signal/Dieser Coaching Code soll insbesondere die angeführten Anforderungen an die Aufmerksamkeitsleistung der Spieler auf den Punkt bringen und den Lernprozess durch entsprechendes verbales Coaching verstärken: „Warum mache ich jetzt das Dribbling!“ Diesbezüglich geht man an dieser Stelle bei Nachwuchsspielern noch nicht auf technische Details ein. Diese würden bei vielen Nachwuchsspielern den Verarbeitungsprozess stören: Ein Signal reicht an dieser Stelle. Situationsadäquate Hinweise zum Aufmerksamkeitstraining und technisch-koordinative Details können in nachfolgenden Schritten oder Maßnahmen folgen.

Konkret: Ist der Aufmerksamkeitsfokus des Spielers zu sehr auf die Bewegung selbst als auf das Bewegungsziel „Platz schaffen“ ausgerichtet, stellt man als Trainer auf die selektive Aufmerksamkeit des Spielers ab: Hervorheben der Mittelzone (in der Abb. 1 in Hellgrün). Kann der Rückraumspieler aus dieser kommend ein Tor erzielen, zählt dieses dreifach. Das bewusste, unbewusste und entdeckende Lernen bleibt hierdurch den Spielern immer noch erhalten.

Zeigt der Spieler, dass ihm das Teilen der Aufmerksamkeit im Spielraum Probleme bereitet, er verliert z.B. den Ball beim Scannen des Rückraums oder spielt den Ball zu früh ab, können in der Praxis andersfarbige Leibchen oder die Variation der Größe des Spielraums helfen, die Aufmerksamkeitsressourcen des Spielers auf zwei Bereiche zu verteilen.

Übung 2 – Tempodribbling in Kombination mit „scharfem Rückraumpass“

Übung 2 – Tempodribbling in Kombination mit scharfem Rückraumpass

ORGANISATION & ABLAUF

  • Übungsform auf zwei Großtore bzw. Jugendtore mit Torwart in einem ca. 20 x 20 m großen Raum.
  • Der Abstand der beiden Tore zueinander soll frei gewählt werden.
  • Spieler A und B positionieren sich im Raum jeweils rechts und links am Flügel.
  • Spieler A und B sollen je einen „Stangenwald“ so durchdribbeln, dass sie je nach Leistungsniveau ihr Tempo mit Ball hochhalten können aber dennoch Fintierbewegungen für den Flügelraum variabel einsetzen (wettkampfnähe beibehalten; z.B. mit Hilfe der Fintiertechnik des Double Shuffle).
  • Spieler A und B dribbeln durch die Stangen und spielen im Anschluss daran einen Rückraumball in die jeweils beiden Zielzonen. In beiden Toren können Tore erzielt werden.
  • Die vier Zielzonen werden mit jeweils vier Hütchen markiert. Die Größe der Zielzonen ist dem Leistungsstand der eigenen Spieler anzupassen.
  • Die beiden Stürmer C und D sollen den Rückraumpass aus den Zielzonen heraus mit einem Ballkontakt sicher und präzise ins Tor schießen.

BACKGROUND ZUM COACHING UND ZU WEITEREN VARIATIONEN

In der Trainingspraxis treten bei der Umsetzung dieser Übungsform häufig folgende Fragestellungen auf:

  • Soll ich meinen Kopf während des Tempodribbling hochnehmen und den „einlaufenden“ Stürmer durch Schulterblicke beobachten? Yes! Die Aufmerksamkeitsorientierung und die geteilte Aufmerksamkeit können hierdurch geschult werden.
  • Warum soll ich das Tempo im Dribbling stets hochhalten? Vorsprung vor den Gegenspielern wahren und eine Entscheidung treffen.
  • Wie laufe ich am Ende des Stangenwalds die Kurve? Dribble die Kurve sehr eng mit Ball und lasse zeitnah mit rechts oder links einen „scharfen Rückpass“ folgen. Hintergrund: Zeit- und Entscheidungsdruck sind wettkampfgemäß.
  • Können wir den Wettkampfdruck in dieser Übungsform noch weiter erhöhen? Ja! Der Trainer oder ein Mitspieler weist den Spielern verbal oder nonverbal während des Dribblings das zu bespielende Tor oder die anzupassenden Passräume zu und/oder man legt eine Zeitleiste fest: Welche Gruppe kann innerhalb von z. B. 2 Minuten wie viele präzise Rückpasse in die Zielfelder und/oder Tore erzielen?

Übung 3 – Präzise Winkel-Pässe, vor allem in Richtung Rückraum

Übung 3 – Präzise Winkel-Pässe, vor allem in Richtung Rückraum

ORGANISATION & ABLAUF

  • Wie abgebildet jeweils drei Hütchen in Reihen und Linien in Länge und Breite aufstellen. Die Abstände zueinander sind dem Leistungspotential der Spieler anzupassen.
  • Jedem Spieler, hier 10 an der Zahl, wird ein Hütchen zugeteilt.
  • Die äußeren Spieler der beiden mittleren Reihen sind jeweils im Ballbesitz (4 Bälle).
  • Die Bälle werden fortlaufend nur in einem bestimmten Winkel zugepasst. Die Passwinkel können jederzeit durch Verstellen der Hütchen verändert werden.

BACKGROUND ZUM COACHING UND ZU WEITEREN VARIATIONEN

Im Trainingsprozess sollen die Spieler auch innerhalb einer Übungsform erkennen, dass

  • der Ball auch einmal zeitweilig „ruhen“ kann, wenn dadurch die Passquote (und damit das präzise und sichere Zuspiel) erhöht werden kann,
  • das ständige Beobachten des Übungsraums helfen kann, die Passwinkel präzise wahrzunehmen und einzuschätzen und
  • die Schärfe des Passspiels der Präzision des Zuspiels anzupassen ist.

Die Übungsform soll je nach Leistungsstand auch mit zwei Bällen oder einem Ball gespielt werden. Die Hinzunahme von Körperfinten kann zu einer weiteren Erhöhung des Schwierigkeitsgrades führen. Die Stellung des Trainers/der Trainer ist so zu wählen, dass insbesondere technisch-koordinative Details im Ablauf ausreichend beobachtet werden können.

Im Buch baut te Poel diese Idee über fünf Trainingsbeispiele und 23 Trainingsformen aus: von diagonalen Laufwegen („Diagonal Orientation“) über Überzahlsituationen aus dem Verbindungsraum und Spielverlagerungen bis hin zu Give & Go, Give & Follow und dem Dreieckspiel. Zu jedem Beispiel gibt es Trainingsziel, Coaching-Signal, Schwierigkeitsgrad und Hinweise für das Coaching.


Das musst du doch sehen!

Bewertung 5 Sterne

In seinem neuen Buch „Das musst du doch sehen!“ erklärt Hans-Dieter te Poel detailliert, wie man erfolgreich Raumorientierung und Spielmöglichkeiten im Angriffsspiel entwickelt.


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