Jede Aktion im Fußball beginnt mit der Wahrnehmung. Bevor ein Spieler passt, dribbelt oder aufdreht, muss er erfassen, wo Mitspieler, Gegner und freie Räume sind. Wer die Situation erst nach der Ballannahme wahrnimmt, verliert genau die Zeit, die er unter Gegnerdruck nicht hat. Die Technik folgt also der Entscheidung, und die Entscheidung kann nur so gut sein wie die Wahrnehmung davor.
Mit diesem Thema beschäftigt sich das Heft „Der 360-Grad-Spieler“ von HSV Co-Trainer Loïc Favé. Im Mittelpunkt stehen zwei Begriffe: die Vororientierung, also das ständige Beobachten der für das eigene Handeln wichtigen Spielfeldbereiche, und der Schulterblick, mit dem Spieler auch den Raum in ihrem Rücken erfassen. Favé verweist auf Studien, nach denen Top-Spieler ihr Umfeld etwa alle drei Sekunden scannen. Sie treffen dadurch bessere Entscheidungen, machen weniger Fehler und spielen häufiger nach vorne.
Trainiert wird das am besten in Spiel- und Übungsformen, die gezielt mit visuellen Signalen angereichert werden. Handzeichen oder Farben im Rücken des Passempfängers zwingen den Spieler, sich schon vor dem ersten Ballkontakt zu orientieren und die Information direkt in seine nächste Aktion umzusetzen.
Im Folgenden zeigen wir zwei Übungen aus dem Heft „Der 360-Grad-Spieler“, mit denen du Vororientierung und Schulterblick in dein Training bringst.
Übung 1 – 4 gegen 4 + Orientierung Außenspieler

DURCHFÜHRUNG
- Das Team WEISS spielt gegen das Team ORANGE im 4 gegen 4. Zudem stehen vier Spieler außerhalb des Feldes.
- Im Feld sind verschiedenfarbige Hütchentore positioniert.
- Die Außenspieler tragen den Hütchentoren farblich entsprechende Markierungsleibchen und befinden sich permanent im Lauf um das Feld herum und halten wechselweise einen oder zwei Arme als Signal sichtbar für die Spieler im Feld hoch.
- Die beiden Teams im Feld spielen zunächst auf Ballhalten (vgl.1 und 3) mit Ball in der Hand. Dabei versucht das jeweils ballbesitzende Team (hier Team WEISS), einen Pass durch eines der Hütchentore zu spielen (vgl. 3).
- Bei jedem erfolgreichen Pass durch ein Hütchentor, versucht der Passempfänger vor der Ballannahme (vgl. 5 und 6) die vom Außenspieler in seinem Rücken hochgehaltene Armanzahl (hier EIN ARM) zu benennen (vgl. 5).
- Gelingt das Benennen vor der Ballverarbeitung erhält das Team eine Punktewertung.
- Das Spiel wird sofort weitergeführt (vgl. 7).
- Als Variante versuchen die Spieler, immer die Armanzahl zu benennen, welche der dem zuvor bespielten Hütchentor farblich entsprechende Außenspieler anzeigt (hier ROT).
- Weiterhin könnte dem erfolgreichen Team als Anschlusshandlung das Spiel auf eines der vier Minitore ermöglicht werden.
SPIELIDEE
Die Spieler sind bereits während des Passspiels aufgerufen die Positionen der Außenspieler zu beachten und zu einer ständigen Vororientierung angehalten.
Übung 2 – Schräge und Orientierung im Wettkampf

DURCHFÜHRUNG
- Team WEISS und Team BLAU bespielen gleichzeitig das zentrale Feld als Passfolge.
- Dafür positioniert sich ein Spieler im zentralen Feld, die restlichen Spieler des Teams hinter den Hütchentoren. Spieler A dribbelt an (vgl. 1) und spielt auf den sich freilaufenden Spieler B (vgl. 2 und 3).
- Spieler B orientiert sich vor seinem ersten Ballkontakt bei Spieler C vor.
- Hält er einen Arm hoch, dreht Spieler B auf (vgl. 5) und spielt den Ball tief auf Spieler C.
- Hält er zwei Arme hoch, klatscht Spieler B zu Spieler A (vgl. 9) der durch das Zentrum dribbelt (vgl. 10) und auf Spieler C spielt (vgl. 11).
- Anschließend spielt Spieler C mit Spieler B zwei Pässe (vgl. 7 und 8).
- Nach seiner Aktion läuft Spieler A in die Mitte (vgl. 12) und Spieler B stellt sich an.
- Blau spielt parallel den gleichen Ablauf durch (vgl. 13)
VARIANTEN
- Durchführung als Wettkampf (Wer schafft in 2 Minuten die meisten erfolgreichen Durchgänge).
Der 360 Grad Spieler

Wenn es darauf ankommt die richtige Entscheidung treffen! 41 Trainingsformen für ein motivierendes Wahrnehmungs- und Entscheidungstraining, von Loïc Favé!



