Auf dem DERBYSTAR Kongress zeigt Fabian Seeger sehr klar, warum klassisches Techniktraining im Fußball oft am eigentlichen Spiel vorbeigeht. Im Zentrum seines Vortrags steht das TRYECK-Konzept, ein Ansatz, der Techniktraining konsequent spielnäher gestalten soll.
Die entscheidende Frage dabei ist simpel, aber zentral: Wie lassen sich viele technische Wiederholungen mit echten Wahrnehmungs- und Entscheidungsprozessen verbinden? Genau hier sieht Seeger eines der größten Defizite im traditionellen Training.
Viele klassische Übungen arbeiten mit künstlichen Signalen. Spieler reagieren auf Farben, Hütchen oder Trainerkommandos und führen daraufhin eine vorgegebene Aktion aus. Das kann zwar helfen, Bewegungsabläufe zu erlernen, hat aber oft wenig mit den Anforderungen im Spiel zu tun. Denn dort reagieren Spieler nicht auf abstrakte Reize, sondern auf Mitspieler, Gegner, Räume und dynamische Situationen.
Das TRYECK-Konzept setzt genau an diesem Punkt an und ersetzt vorgegebene Abläufe durch sogenannte Handlungsauslöser. Die nächste Aktion entsteht also nicht durch ein Signal von außen, sondern aus der Spielsituation selbst. Im Training bedeutet das: Spieler müssen permanent ihre Umgebung wahrnehmen, Situationen interpretieren und darauf reagieren.
In den gezeigten Trainingsformen, häufig in kleinen Gruppen rund um Dreiecke organisiert, wird dieses Prinzip deutlich. Ein Spieler entscheidet seine Aktion abhängig vom Verhalten des Gegners: Kommt Druck von einer Seite, wird in die andere Richtung aufgedreht; bleibt der Gegner passiv, entsteht Raum für ein Andribbeln. Technik wird dadurch nicht isoliert trainiert, sondern immer im Kontext einer Entscheidung.

Grundlage dieses Ansatzes ist das Spielkompetenzmodell, das jede Aktion im Fußball als Zusammenspiel von Wahrnehmen, Entscheiden und Ausführen beschreibt. Genau diese drei Prozesse werden im TRYECK-Training bewusst miteinander verknüpft. Spieler sind ständig gefordert, neue Lösungen zu finden, statt feste Abläufe abzuspulen.
Trotz dieser spielnahen Ausrichtung bleibt ein klassisches Ziel erhalten: eine hohe Anzahl an Wiederholungen. Durch kleine Spielformen mit wenigen Spielern sind alle Beteiligten permanent eingebunden und haben deutlich mehr Ballaktionen als in größeren Spielen. Das Konzept schafft damit eine Verbindung, die im Training oft schwer umzusetzen ist: viele Wiederholungen unter gleichzeitig realistischen Bedingungen.
Ein weiterer zentraler Bestandteil ist die Variabilität. Techniken werden nicht immer identisch ausgeführt, sondern ständig an neue Situationen angepasst. Unterschiedliche Gegnerpositionen, wechselnde Passwinkel oder variierende Drucksituationen sorgen dafür, dass Spieler flexibel bleiben. Dieser Ansatz erinnert an Prinzipien des differenziellen Lernens, bei dem nicht das perfekte Wiederholen, sondern das Lösen immer neuer Aufgaben im Vordergrund steht.

Besonders wichtig ist dabei die Qualität der Handlungsauslöser. Während klassische Übungen häufig mit spielfernen Reizen arbeiten, setzt das TRYECK-Konzept bewusst auf spielnahe Auslöser. Entscheidungen entstehen aus echten Spielsituationen, etwa wenn ein Gegner aggressiv anläuft oder ein Mitspieler einen Passweg öffnet. Genau das verbessert den Transfer vom Training ins Spiel.
Auch im Coaching verfolgt Seeger einen klaren Ansatz. Anstatt Übungen ständig zu unterbrechen, begleitet der Trainer das Geschehen mit kurzen, gezielten Hinweisen während der Aktion. So bleiben Intensität und Spielfluss erhalten. Ergänzend dazu wird mit offenen Fragen gearbeitet, um Spieler aktiv in den Lernprozess einzubeziehen und ihr Spielverständnis zu fördern.
Der Vortrag macht deutlich, dass Techniktraining heute nicht mehr isoliert gedacht werden kann. Technik ist im TRYECK-Konzept kein Selbstzweck, sondern ein Werkzeug zur Lösung von Spielsituationen. Spieler lernen, Informationen aufzunehmen, Druck richtig zu interpretieren und unter realistischen Bedingungen saubere technische Lösungen umzusetzen.
Genau darin liegt die Stärke des Ansatzes: Er verbindet Intensität, Wiederholung und Spielnähe zu einem Training, das deutlich näher an den Anforderungen des modernen Fußballs ist.
TRYECK – Spielnahes Techniktraining

Verbessere die Wahrnehmung, Entscheidungsqualität und technische Ausführung deiner Spieler!
- 23 detailierte Trainingsformen
- U11 bis Pro
- Prinzipien des Techniktraining & Qualitative Handlungsauslöser
- Variables Wiederholen &Situatives Anwenden



