Anders Giske: Wie ein Treffen mit Rummenigge mein Spiel veränderte

Derby 1. FC Nürnberg gegen Bayern München

Dieses Spiel war ein Wendepunkt in meiner Karriere und vor allem der Beginn eines lebenslangen Lernprozesses.

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Schräge Abwehrposition

In meiner Spielerkarriere habe ich mit vielen guten Trainern gearbeitet. Die Arbeit mit ihnen hat dafür gesorgt, dass ich mich zu einem viel besseren Spieler entwickelt habe.

Ich weiß, dass ich die Dinge, die ich erreicht habe, ohne diese Unterstützung niemals geschafft hätte. Dafür bin ich sehr dankbar. Von all den Dingen, die meine Trainer mir beigebracht haben, war ein Tipp besonders wichtig: In einer 1:1-Situation sollte ich auf jeden Fall eine schräge Abwehrposition (45 Grad) einnehmen.

Seitliche Abwehrposition

Im Laufe der Zeit habe ich gemerkt, dass diese einfache Technik zu sehr guten Ergebnissen geführt hat. Allerdings gab es oft einen großen Unterschied zwischen meinem Kopf und meinem Körper.

Immer wieder habe ich festgestellt, dass ich in einer seitlichen Abwehrposition stand. Ich hatte das Gefühl, dass ich in dieser Position mehr Kontrolle gegenüber dem Angreifer hatte, deshalb fühlte ich mich besser.

Was sollte ich also tun?

Sollte ich dem Ratschlag meiner Trainer folgen und die schräge Abwehrposition einnehmen, die so erfolgreich war? Oder sollte ich meinem Instinkt vertrauen?  Ich habe darüber SEHR viel nachgedacht. Schließlich habe ich mich dazu entschlossen, auf meinen Körper zu hören und in der seitlichen Abwehrposition zu spielen. Nachdem ich diese Entscheidung getroffen hatte, habe ich nicht mehr über die Vor- und Nachteile von seitlicher und schräger Abwehrposition nachgedacht. Das änderte sich am 16. April 1984.

Derby 1. FC Nürnberg gegen Bayern München

Dieses Spiel war ein Wendepunkt in meiner Karriere und vor allem der Beginn eines lebenslangen Lernprozesses. Dieser Prozess hat schließlich zum Aufbau von Giske Defending geführt. Damals hatte ich erst einige Monate lang für Nürnberg gespielt. Die Chance, zu Hause gegen Bayern München auf dem Platz zu stehen war bis dahin eine der größten Herausforderungen in meiner Karriere.
Nürnbergs Trainer Heinz Höher hatte erst kurz zuvor entschieden, mich nicht mehr im Mittelfeld spielen zu lassen, sondern als zentraler Verteidiger. Zum ersten Mal musste ich gegen Karl-Heinz Rummenigge antreten, der damals der vielleicht weltbeste Stürmer und der erfolgreichste Torschütze der Bundesliga war. Außerdem war er einer der teuersten Spieler der Welt.
Alle Augen der 40.000 Fans waren auf die Teams gerichtet. Es war ein emotionales Derby. Leider war Bayern München die bessere Mannschaft und siegte verdient mit 4:2.
Für mich war es allerdings ein gutes Spiel. In meinen Zweikämpfen mit Rummenigge hatte ich mir seinen Respekt erarbeitet. Meine Abwehrarbeit hatte dazu beigetragen, dass er das Spiel nicht wie gewohnt dominieren konnte. Er erzielte kein Tor. Natürlich war ich enttäuscht, dass meine Mannschaft verloren hatte, aber mit meiner eigenen Leistung war ich zufrieden. Vor allem aber hatte dieses Spiel einen großen Einfluss auf meine Entwicklung als Abwehrspieler.

In einer Situation im Spiel musste ich im Zentrum, etwa 25 Meter vor dem Tor, gegen Rummenigge im Zweikampf bestehen. Rummenigge dribbelte mit dem Ball am rechten Fuß, ich stand in der seitlichen Position, um gegen ihn zu verteidigen. Plötzlich spielte er den Ball einige Meter weit in den freien Raum auf seiner linken Seite. Rummenigge war frei und am Ball, ich hatte keine Chance mehr, seinen Schuss zu blocken.

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Plötzlich wurde mir alles klar!

Von diesem Moment an war es für mich offensichtlich, dass ich meine Position anpassen musste. In solchen Situationen musste ich dem Stürmer eher frontal gegenüberstehen. Anders konnte ich keine Schüsse abblocken.

Nach diesem wichtigen Spiel begann ich damit, meinen eigenen Trainingsplan zu gestalten. Ziel war es, meine Beinarbeit und zugleich meine Fähigkeiten zu verbessern, damit ich in 1:1-Situationen besser verteidigen konnte.

Die Investition in meine eigene Entwicklung war ein großer Gewinn.

Während ich meine verschiedenen Fähigkeiten trainierte, wurde ich immer besser. Die Effektivität meiner Technik habe ich immer wieder erfolgreich bewiesen, als ich in der Bundesliga und in der Nationalmannschaft als zentraler Verteidiger spielte.

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