Last Minute Kroos haucht Deutschland neues Leben ein

Deutschland – Schweden 2:1 (0:1)

20 Minuten Volldampf

Mit der ersten Minute zeigte Deutschland eine überzeugende Leistung. Sie zwangen die tief-stehenden Schweden noch weiter hinten rein und sorgten durch kurze Passwege immer wieder dafür, dass ein Anlaufen im Sande verlief. Toni Kroos ergänzte den Spielaufbau häufig auf Rüdigers Seite zu einem 3er Aufbau, während Hector und Kimmich grundsätzlich nach vorne drückten.

Deutschland bringt viele Spieler nach vorne und bleibt hinter dem Ball zusammen mit dem defensiven 6er (hier Rudy) in einer 2:1 Überzahl. Kurze Passwege und gute Balance sorgen für frühe Dominanz. Kroos kam leider zu selten in diese Position, gerade nach der ersten Verlagerung.

Rudy sorgte für die nötige Balance und agiert in Vergleich zu Kroos höher, um Konterbemühungen der Schweden im Keim zu ersticken. Nachteil an der Position von Kroos war seine mangelnde Einbindung in der nächsten Ebene, sodass seine Qualitäten im Abschluss oder mit dem letzten Pass zu selten zum Tragen kommen konnten.

Cleverer Angriffszug. Der Ball geht auf den Flügel, Werner deutet einen tiefen Laufweg an und zieht damit Schwedens Kette nach hinten, der Raum davor kann genutzt werden.

Ein weiteres Beispiel aus den ersten 20 Minuten. Kimmich im 1:1 am Strafraum. Er wird direkt von Boateng gesichert, während hinter dem Ball nach wie vor 2:1 gespielt wird.

Schockmoment. Schweden erkennt einen guten Abstand um zu pressen. Berg verleitet Rüdiger mit einem kurzen Lauf dazu, ins Dribbling zu gehen. Berg beobachtet den folgenden Zweikampf und schaltet sofort um. Die folgende Szenen müssen Schiedsrichter-Analysten beurteilen…

Und Schweden?

Sichtlich beeindruckt vom deutschen Engagement versuchte es Schweden, mit einer Mischung aus tief-stehen und hoch-zustellen. Meist verließen sich die Schweden auf ersteres. Dabei ließen sie zwei Stürmer vor dem Ball, um auf Konter umschalten zu können. Ergaben sich Bemühungen nach vorne, wurde teilweise früher zugestellt.

Schweden variiert zwischen tiefen Stehen und hohem Zustellen. Vor allem bei Einwürfen bleibt Schweden gleich vorne und versucht kurzzeitig mannorientiert zu agieren. Ist das Pressing gebrochen, geht es wieder ab nach hinten.

Die Sache mit dem Flow…

Was nach einem normalen kurzen Unterzahlspiel bei einer Verletzung aussah, entwickelte sich zu einer handfesten Krise für das deutsche Spiel. Selbst in Gleichzahl behielten sie die tiefe Stafflung kurzzeitig bei und verloren komplett den Faden. Teils wilde Szenen und das Gegentor waren die Folge.

„Der Flow einer Mannschaft geht immer dann verloren, wenn es zu längeren Unterbrechungen oder Veränderungen im spiel kommt… Genau das passierte unfreiwillig mit der Verletzung von Rudy“

Das 1:0 durch Toivonen. Eigentlich unerklärlich wie Kroos den Ball verliert. Danach ist die Situation nur noch schwer zu retten. Toivonen schließt einer perfekte Hereingabe richtig gut ab.

Gündogan spekuliert im Gegenpressing auf ein kurzes Anspiel und wird einfach überspielt.

Weiteres Beispiel für den Kontrollverlust nach Schwedens Tor. Reus bewegt sich gut zwischen den Ketten und wird angespielt. Reus verstolpert den Ball schon ohne Druck. Trotz des unsicheren Ballverlustes drückt Kimmich weiter hoch bzw. bleibt stehen. Im Restfeld wird nicht gesichert und das 2:0 liegt in er Luft.

Erfolg über den Flügel

Löw änderte zur Halbzeit, packte Werner auf den einen und Reus auf den anderen Flügel, Gomez ging ins Sturmzentrum. Vor allem Werner erwies sich als Glücksgriff. Eigentlich veränderte sich im Vergleich zu den ersten 20 Minuten der Partie nur, dass Hector Werner im Halbraum sicherte, anstatt selber am Flügel durchzubrechen. Das gab Werner mehr 1:1 Situationen und die Freiheit, sie zu nutzen. Auch Kroos schob energischer vor und kam so in deutlich aussichtsreichere Positionen.

Der Ausgleich. Kroos (da wollen wir ihn sehen) macht Druck auf den Verbund und bringt Werner ins Laufen. In der Mitte lässt sich ein zentraler Verteidiger Schwedens durch Müller in einen völlig ungefährlichen Raum herausziehen. Reus nutzt das 2:2 im Zentrum für den Ausgleich.

Später Schuss ins Glück

Schließlich war es auch die Kombination aus Werner und Kroos, die zum Erfolg führte und auch einen zwischenzeitlichen Platzverweis vergessen ließ. Dass Kroos sich in der Situation den Ball nimmt und ihn direkt verwandeln will, zeugt dabei von besonderer Größe.

Eine Analyse von Steven Turek

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