EM 2016 Spielanalyse: Italien – Belgien 2:0

EM 2016 Spielanalyse: Belgien beißt sich an Italiens 5er Kette die Zähne aus

Italien begann das Spiel gegen den Ball in einem 5:3:2 und nahm Belgien damit weitestgehend die Luft zu atmen. Für Belgien, das bereits bei der WM 2014 so gut wie alle Tore aus Umschaltsituationen heraus erzielte, entpuppte sich diese Defensivformation als unüberwindbar. Die Vorteile der 5er Kette sind weitestgehend bekannt – Spieler, die sich den Ketten bewegen wollen oder aus der 9er Position sich fallen lassen, können ohne Rücksicht auf den Defensivverbund von einem der drei Innenverteidiger verfolgt werden.

Beispiel: De Bruyne spielt den Ball auf Lukaku, der sich zwischen die Ketten bewegt hat. Einer der drei Innenverteidiger rückt mit Lukaku heraus und stellt ihn leicht überlappend nach außen (um einen Doppelpass möglichst zu verhindern). Überzahl entsteht durch die Mittelfeldspieler und der Ball wird von Italien erobert. Selbst wenn sich Belgien durchkombiniert hätte, ständen immer noch zwei Innenverteidiger zur Verfügung um im Strafraum zu verteidigen.

EM 2016 Spielanalyse: Italien - Belgien 2:0 - Bild 1
EM 2016 Spielanalyse: Italien – Belgien 2:0 – Bild 1

Belgien spielt mit dem Feuer

Große Probleme hatte Belgien aber nicht nur mit der Defensive Italiens, sondern auch mit der eigenen. Gerade gegen die beiden zentralen Stürmer Italiens zeigten die Innenverteidiger Belgiens doch teilweise krasse Fehler: Auch Belgiens Innenverteidiger verfolgten Spieler, die sich zwischen die Ketten (oder sogar noch weiterbewegten) direkt. Allerdings spielte Belgien mit einer 4er Kette und öffnete damit teilweise krasse Löcher (11./27.Minute).

Beispiel: Der Ball wird in Italiens Spitze gespielt, Vermaelen rückt schon vor dem Pass heraus, bleibt dann allerdings in einem zu weiten Abstand stehen und hat Glück, dass folgenden Bälle nicht sauber genug gespielt werden.

EM 2016 Spielanalyse: Italien - Belgien 2:0 - Bild 2
EM 2016 Spielanalyse: Italien – Belgien 2:0 – Bild 2

Bonuccis Zauberball und Italiens Abgezocktheit

Das Spiel entschieden hat letztlich ein überragender Ball von Bonucci, der perfekt zwischen Torwart und Innenverteidiger herunterkommt und ebenso perfekt von Giaccherini verwertet wurde. Damit trat das denkbar schlechteste und denkbar beste Szenario für Belgien bzw. Italien ein. Belgien fand weiterhin kein Durchkommen gegen taktisch überragend verteidigende Italiener und Italien überzeugt weiterhin durch defensive Geschlossenheit und gutes Vertikalspiel. Wirklich gefährlich wurde Belgien nur in einer Umschaltsituation (53. Minute): Nach einer Ecke verliert Italien den Ball auf der gegenüberliegenden Seite. Dabei ist es natürlich unheimlich schwer diesen Raum nach einer Ecke abzusichern. Was folgt ist die riesige Qualität von Belgien. De Bruyne und Lukaku starten vom eigenen Strafraum und können so mit Tempo gezielt offene belaufen – fast unmöglich zu verteidigen. Lukaku vergibt schließlich gegen einen entschlossen herauskommenden Buffon.

EM 2016 Spielanalyse: Italien - Belgien 2:0 - Bild 3
EM 2016 Spielanalyse: Italien – Belgien 2:0 – Bild 3

Aus dem Spiel heraus unterband Italien jeden Konter durch clevere Staffelung (und taktische Fouls) hinter dem Ball und guten Laufwegen der drei Innenverteidiger.

Fazit: Wirklich interessant wird es zu sehen sein, ob Mannschaft einen erfolgreichen Mechanismus entwickeln werden, um 5er Ketten aus dem Spiel heraus zu überspielen – Belgien konnte das jedenfalls nicht. Um dem Status „Turnierfavorit“ gerecht zu werden, bedarf es mehr als Qualitäten im Konterspiel, denn im Jahr 2016 spielen viele Mannschaften mit einem guten Gegenpressing und guter Restfeldverteidigung. Über Italien bleibt festzuhalten, dass keiner, aber wirklich auch keiner freiwillig gegen diese Mannschaft spielen möchte.

Informationen zum Autor Steven Turek:

Von der Bachelorarbeit zum Taktikexperten

Der Fußballtrainer und Masterstudent Steven Turek beschäftigte sich während seines Bachelorstudiums im Rahmen eines groß angelegten Projekts mit unterschiedlichen Spielphilosophien im Profifußball.

Seine Abschlussarbeit widmete er dem Thema „Analyse der Fußballweltmeisterschaft 2014 im Hinblick auf das Herausspielen von Torchancen“ (zusammen mit Jonas Stephan).
Seine erworbenen Kenntnisse aus unzähligen Trainingseinheit, Beobachtungen, sowie Aus- und Fortbildungen (u.a. UEFA – A – Lizenz) versucht er nun in Zusammenarbeit mit Sportakademie24 weiterzugeben.

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