EM 2016 Spielanalyse – Frankreich – Rumänien 2:1

Turek FotoFrankreich mit Dusel und Payet zum Auftaktsieg!

Rumänien verstärkt Frankreichs Unsicherheit zu Beginn. Qualität setzt sich zum Schluss durch. Frankreich zu zögerlich im Spielaufbau – Rumänien fast mit dem frühen Schock.

Bereits bei der WM 2014 sind 1/3 der Tore durch Standardsituationen gefallen und beinahe hätte das nächste große Turnier genauso begonnen. Keine 4 Minuten waren vorbei, da sorgt eine Ecke Rumäniens fast für den frühen Schock. Zusammen mit der allgemeinen Nervosität eines Auftaktspiels vor heimischen Publikum kam Frankreich nur sehr holprig ins Spiel. Vor allem im Spielaufbau lag der Fokus auf reiner Ballsicherung, ohne wirklich Druck nach vorne zu entwickeln.

Typische Szene in der 22. Minute: Ein Mittelfeldspieler lässt sich auf Höhe der Innenverteidiger fallen, um eine 3 gegen 2 Situation gegen die beiden Stürmer Rumäniens herzustellen – allerdings ohne eine realistische Chance diese wirklich zu überspielen. Koscielny (weiß markiert) kann in dieser Szene sich bereits wesentlich höher positionieren – mit einem Anspiel kann die gegnerische Sturmreihe überspielt werden. Er könnte dann auf die Mittelfeldreihe zugehen, um im linken Halbraum oder am Flügel Überzahl zu schaffen. Stattdessen wird der Ball von Station zu Station gespielt (blaue Pfeile), ohne dabei Raum zu gewinnen.

EM 2016 Spielanalyse - Frankreich - Rumänien - Bild 01
EM 2016 Spielanalyse – Frankreich – Rumänien – Bild 01

2. Beispiel: Pogba kippt aus seiner 10er Position ab, um den Ball zu erhalten (weißer Pfeil). Allerdings wieder ohne Raumgewinn und ohne Druck auf die gegnerischen Stürmer auszuüben. Pogba wird angespielt und mit dem Anspiel ganz locker gestellt.

EM 2016 Spielanalyse - Frankreich - Rumänien - Bild 02
EM 2016 Spielanalyse – Frankreich – Rumänien – Bild 02

Besser wäre es, die Situation mit einem Andribbeln (eine Qualität die Frankreich aufgrund der Ausfälle vor allem von Varane schmerzlich vermisst) zu beginnen. Hierbei dribbelt Rami auf einen Stürmer zu, Pogba löst sich gleichzeitig und bekommt den Ball seitlich neben bzw. hinter der Sturmreihe Rumäniens. Er würde dann von einem Mittelfeldspieler und nicht vom Stürmer gestellt werden (wenn überhaupt). Dazu müsste sich Sagna höher positionieren, um seinen Gegenspieler weiter mitzuziehen.

Grafik erstellt mit easy Sports-Graphics (easy-sports-software.com/)
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Frankreich deutet seine individuelle Qualität an

Das erste Mal, dass Frankreich im Spielaufbau wirklich die Stürmer überspielt und Pogba im Zentrum in Szenen setzen kann, wird sofort brandgefährlich. Ein kurzer Pass durch die beiden rumänischen Stürmer bringt Pogba im Zentrum in Ballbesitz. Umzingelt von drei Gegenspielern, die aber alle keinen Druck ausüben, kann er zwischen den Ketten aufdrehen. Die Abwehrkette von Rumänien ist angesichts der Stellung von Pogba nicht weit verschoben (Rat kann wesentlich breiter verteidigen). Dazu verliert Stancu Sagna aus den Augen. Pogba spielt einen perfekten Schnittstellenpass und normalerweise muss es 1:0 stehen.

EM 2016 Spielanalyse - Frankreich - Rumänien - Bild 03
EM 2016 Spielanalyse – Frankreich – Rumänien – Bild 03

Hier die Animation zu dieser Spielszene

Die zweite Halbzeit beginnt wie die erste – etwas fahrlässig auf Seiten Frankreichs.

Bereits nach zwei Minuten versäumt Frankreich es rund um den Strafraum Druck auf den Gegenspieler auszuüben. Die Folge ist ein richtig gut gespielter Chipball von Stancui der zum Tor führen muss.

EM 2016 Spielanalyse - Frankreich - Rumänien - Bild 05
EM 2016 Spielanalyse – Frankreich – Rumänien – Bild 05

Insgesamt zeigte sich Frankreich in Halbzeit zwei verbessert. Die offensiven Mittelfeldspieler vor allem Griezmann (51.) bewegten sich deutlich besser zwischen den Ketten und konnten durch vertikale Eröffnungen in Szene gesetzt werden. Ermöglicht wurde dies durch ein verbessertes Anbieten und Freilaufen der zentralen Mittelfeldspieler, die sich mehr neben und hinter den rumänischen Stürmern aufhielten und somit bessere Verbindungen in die Spitze gewährleisten konnten. Daraus resultiert die folgende Drangphase, sowie mehrere Strafraumszenen (55./56.).

Wenn Giroud spielt…

dann müssen seine Qualitäten auch ausgenutzt werden. In Folge der Drangphasen erhielt Frankreich Ecken und Standardsituationen in der gegnerischen Hälfte. In Folge einer solchen Ecke reichte eine einfache Flanke aus dem Halbfeld für Giroud um das 1:0 zu markieren. Strittig oder nicht, wenn Giroud im Aufgebot steht, sind Flanken und Hereingaben ein probates Mittel.

Stancui mit dem Ausgleich – Payet bitte übernehmen sie…

Nachdem Rumänien durch einen (völlig unnötigen) Elfmeter zum Ausgleich kam, sah es lange Zeit nach einem enttäuschenden Auftakt für die Equipe Tricolore aus. Wenn gleich die Restverteidigung in den letzten 20 Spielminuten jeden Konter von Rumänien im Keim ersticken konnte, fand die Offensivreihe keine wirkliche Lösung gegen dann tiefer stehende Rumänen. Es bedurfte einer Einzelaktion von Payet, der letztlich einen Einstand nach Maß bescherte.

Fazit: Einer der Turnierfavoriten Frankreich präsentierte sich über weite Strecken zu nachlässig im eigenen Spielaufbau und versäumte es Verbindungen bis in die Angriffsreihe zu kreieren. Letztlich brachten sie Einzelaktionen und Umstellungen in der Halbzeit auf Kurs. Wirklich verlassen konnte konnten sich die Blau-Weiß-Roten auf ihre Restverteidigung. Rumänien zeigte gutes Defensivpotenzial, ohne wirklich gefordert gewesen zu sein.

Informationen zum Autor Steven Turek:

Von der Bachelorarbeit zum Taktikexperten

Der Fußballtrainer und Masterstudent Steven Turek beschäftigte sich während seines Bachelorstudiums im Rahmen eines groß angelegten Projekts mit unterschiedlichen Spielphilosophien im Profifußball.

Seine Abschlussarbeit widmete er dem Thema „Analyse der Fußballweltmeisterschaft 2014 im Hinblick auf das Herausspielen von Torchancen“ (zusammen mit Jonas Stephan).
Seine erworbenen Kenntnisse aus unzähligen Trainingseinheit, Beobachtungen, sowie Aus- und Fortbildungen (u.a. UEFA – A – Lizenz) versucht er nun in Zusammenarbeit mit Sportakademie24 weiterzugeben.

Hefte-Taktiktrends

Sein erstes Buch zum Thema „Erfolgreich Passwege Öffnen und Nutzen“ schrieb er zusammen mit dem Taktik – Experten und DFB Ausbilder Ralf Peter.

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EM2016 anaysiert von Steven Turek

Steven Turek analysiert die EM2016
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EM2016: Steven Turek im Studio

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